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 Donnerstag, 9. Oktober 2014

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Salle des Officiers 1770

Schloß Adolphseck gen. Fasanerie

Aufgabe

Der erste „Salle des Officiers“ im fuldaischen Schloß Adolphseck sollte die die Bildung der Herrn Officiers in den Regimentern befördern, die in ihren entlegenen Garnisonen nicht so leicht auf die Officiers vom Artillerie- und Ingenieurcorps treffen können. In der Instruction vom 11. Mai 1763 bestimmt der König unter anderem:

S.K.M werden sich genau zur Zeit der Revue bei denen Regimentern nach denen Officiers erkundigen, die sich am meisten auf der Erlernung der Fortification, Artillerie, Geographie, Sprachen und auf die Kenntniss des Landes befleißigt habe, diejenigen, deren Application und Conduite gut ist, welche die wahre Ambition besitzen, einst General-Feldmarschälle und commandierende Generals zu werden, die haben sich alsdann Gnadenbezeugungen und Avancement vorzüglich zu versprechen.

Tielke schreibt in seinem Vorwort zu den Feldingenieurs:

Es ist leider bei den militairischen Schriftstellern der Gebrauch, daß jeder bloß für die Generals zu schreiben sucht. Welche Menge von Kriegskünsten und Taktiken ... für die niederen Offiziers keine. .... Heere anzuführen, ist das Größte, was dem menschlichen Stolz schmeicheln kann. Die Wissenschaft davon gefällt: weil sie so leicht beschrieben ist, so traut man sich zu, sie zu verstehen, und die Eigenliebe beredt einen, man würde im Felde ebenso leicht marschieren, lagern und schlagen lassen, als man es auf dem Papiere gelernt hat. Man versäumt darüber zu lernen, was zu den Posten, den man bedient, gehört, und welches die ersten Staffeln ausmacht, die zu höheren Kenntnis leiten, man beurtheilt kühn die Maneuvres der größten Feldherrn, ... Meine Absicht also war, nicht für die Generals, sondern nur für die niederen Offiziers zu schreiben.[...] Sucht man aber zu unterrichten, so muß man sich bemühen, verständlich und faßlich zu werden.

Lösung

Man logierte im linken Kavaliershaus des Schlosses Adolphseck oberhalb von Eichenzell, in dessen „bel étage“ der Unterricht stattfand. Je ein Raum waren als Saal für den Unterricht, als Speisesaal und als Quartier eingerichtet. Sechs Officiers, und ein Kavalier besuchten die Schule; ein Kammerherr, ein Bursche und ein Diener stellten die  Bedienten. Die Messieurs les Officiers waren:

v. Gontzenbach, königl.-pr. Ingenieurcapitaine als Directeur ad interim, future génie en chef de la place de Graudenz

Krückeberg, Capitaine im Bückenburgischen Artilleriecorps

v. Polchau, Lieutenant von der kurhannöverschen Artillerie

de Bouillon, Lieutenant beim Regiment Itzenplitz

v. Gräfenstein, Capitain und Exerciermeister der Gräflich Schönburgischen Schloßcompagnie,  Glauchau, in Diensten seiner Reichsgräflichen Erlaucht Graf Albert Christian Ernst von Schönburg

v. Hohenstein, Chirurgus beim Regiment Alt-Kleist

v. Poellnitz, Seiner königlichen Majestät Vorleser

Lection I: Capitaine Gontzenbach erläutert die Anfangsgründe der Befestigungskunst an Hand eines Modells zur I. Vaubanschen Manier, welches speziell für den Salle gefertiget wurde. Ausgehend vom todten Winkel und Winkel erläutert er die Gliederung einer Festung der heutigen Tage, auch einige französischen Besonderheiten, wie die Grabenschere. Im zweiten Teil legt er den Officier vor Augen, wie eine Festung förmlich über Parallelen und Approchen anzugreifen sei, und wie selbige nach allen Regeln der Kunst am 21ten Tagen fallen wird. Er empfiehlt besonders die Lektüre des Dupain de Montesson für die unerfahrenen Officiers von der Infanterie, welche sich auf leicht faßliche Weise mit dem befestigten Plätzen und ihrer Belagerung vertraut machen können.

Karl-August Struensees Anfangsgründe der Kriegsbaukunst, Zweither Theil, Liegnitz und Leipzig, 1786

Dupain de Montesson, Louis Charles: Les amusements militaires: ouvrage également agréeable et instructif, servant d’instruction aux sciences qui forment les Guerriers. Avec figures en taille-douce, par M. Dupain, ingenieurs géographe des camps & armées du Roi, officier réformé au Régiment de Piémont, Paris 1757

Lection II: Capitaine Krückeberg stellt die materiellen Einrichtungen der Artillerie, speziell der Feldartillerie, dar. Er expliziert den Aufbau der Geschützöhre, der Affuite, der Protze und der Geschoßarten. Hierbei griff er auf Modelle des Salle des Officiers zurück.

Struensee, Karl August: Anfangsgründe der Artillerie, zweythe Auflage, Leipzig und Liegnitz, 1769

Lection III: Capitaine Gontzenbach zeigte zuerst an Hand der Charte der Bataille von Minden, welche Plancharaktere dem Militair nützlich und wichtig sind, und wie das Terrain auf dem Pappiere gezeichnet wird. Obwohl das Krokiren nach dem Augenmaß schwierig und oft nicht richtig ist, so ist es doch einzige, was einem Cavallerie- und Infanterieofficier abverlangt werden kann. In der Exercisse mit je drey Herrn Officiers wurde einmal die Chaussee zum Schloß und der Seitenweg zum Teehaus bei klirrendem Froste aufgenommen. Entfernungen wurden in Schritt bestimmt, und die Herrn Officiers hatten einen Transversal-Maaßstaab auf das Krokis zu setzen.

Tielke, Johann Gottlieb: Unterricht für die Officiers, die sich zu Feld-Ingenieurs bilden, oder doch den Feldzügen mit Nutzen beywohnen wollen durch Beispiele aus dem letzten Kriege erläutert und mit nöthigen Plans versehen, Dresden

Lection IV:  Capitaine v. Gräfenstein explizierte den Herrn das Salvieren mit dem Esponton, welches der Infanterie besonders important. Das kalte Wetter verlangte, daß diese Exercisse in den Saal verlegt wurde.

Lection V mit Captn. Gontzenbach: Die Belagerung 1762 von Schweidnitz im letzten Kriege steht einzig da, weil der König in eigener Person den Angriff leitete und der Major le Fevre (auch le Febure) bewies, daß eine Festung mit überladenen Mienen (Globes à Compression) einzunehmen sey. Den kayserlichen Vertheidigern unter Gen. Guasco und dem Chef des Artillerie- und Ingenieurcorps Gribeauval gelang es, den angreifenden tapferen Preußen hohe Verluste zuzufügen und die bedingungslose Übergabe der Festung durch einen 40 Tage dauernden Minenkrieg hinauszuzögern.

Lloyd: Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland zwischen dem Könige von Preußen und der Kaiserin Königen mit ihren Alliirten, aus dem Englischen übersetzt von G. F. v. Tempelhof, Sechster Theil, 1762, Berlin 1794

Tielke, Johann Gottfried: Beyträge zur Kriegkunst und Geschichte des Krieges von 1756 bis 1763, IV Stück, Freyberg 1781

Lection VI: Lieutenant v. Polchau zeigte den Messieurs, welche Bedienung bey einem Canon von nöthen sey und wie die Commandos am Geschütz gegeben werden müssen.

Siehe Struensees Artillerie wie oben

Lection VII: Der Capitaine Krückeberg von die Bückeburger, wohl auch Zeuge der Bataille von Minden am 1. Augustus 1759, gab den Officiers ein lebhaftes Bild von der Schlacht auf den Weg, in welchen er die Dispositionen beider Seiten beschrieb und die Chancen für den Sieg auf beiden Seiten sorgfältigst gegeneinander abwog. Die hohe Feldherrnkunst besteht darin, stets richtig nach den Umständen zu handeln und vom Plane abzuweichen, besonders dann, wenn Untergebene, wie ein gewisser Lord Sackville, es nicht verstehen, ihre Pflicht zu erfüllen.

Lloyd: Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland zwischen dem Könige von Preußen und der Kaiserin Königen mit ihren Alliirten, aus dem Englischen übersetzt von G. F. v. Tempelhof, Dritter Theil, 1759, Berlin 1795 mit der Schlacht bey Minden

Ergebnis

Capitaine v. Gontzenbach beschloß den Salle des Officiers am Sonntag gegen 2 Uhr des Mittags. Er legte den Herrn Officiers nahe, das Erlernte nach Kräften sich zu vergegenwärtigen und zu üben, und er werde es sich angelegen seyn lassen, die Exercissen für die Artillerie und die Feldingenieurs beim Sommerlager zu continuieren.

(c) Photos Michael C. Lang,

(c) Text und Zeichnungen Martin Klöffler

Eichenzell_2010_03_Programm

Disposition zum Salle des Officiers

Dramatis personae

Gruppenbild

Assemblé

Capitaine Gontzenbach

Capitaine v. Gontzenbach

Major Scharek

Capitaine v. Gräfenstein

Lieutenant de Bouillon

Lieutenant de Bouillon

B. von Hohenstein

Chirurgus B. von Hohenstein

Freiherr v. Poellnitz

Freiherr v. Poellnitz

Capitaine Schenk

Lieutenant v. Polchau

Capitaine Brückenberger

Capitaine Krückeberg

Die unentbehrliche Dienerschaft

Kammerdiener

Kammerdiener

Chirurgus

Chirurgus

Diener

Diener

Dienerschaft

Dienerschaft

Der Fechtmeister

Der Fechtmeister

Bursche Lukas

Bursche Lukas

Schloß Adolphseck

Linker Flügel

Linker Flügel

Durchfahrt

Durchfahrt

Copia eines Plans

Copia eines Plans

Ein Schneesturm

Ein Schneesturm

Man eilet zum Fenster

Man eilet zum Fenster

Zwei Stunden danach

Zwei Stunden danach

Ehrenhof und Mittelrisalit

Ehrenhof und Mittelrisalit

Postenhäuser

Postenhäuser

Lection I: Anfangsgründe des Festungsbaus

Capitaine Gonzenbach

Capitaine Gonzenbach

Erklärung

Erklärung

Festungsfronte

Festungsfronte

Festungsfront

Festungsfront

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit

Erste bis dritte Paralllele

Erste bis dritte Paralllele

Skript

Skript

Erläuterung

Erläuterung

Legen einer Breche

Legen einer Breche

Lection II: Materielle Einrichtungen der Artillerie

Capitaine Brückenberger

Capitaine Krückeberg

4-löthige Kartätschenkugeln

4-löthige Kartätschenkugeln

Die Haubitze

Die Haubitze

Capitaine Gontzenbach

Capitaine Gontzenbach

Aufbau der Geschützöhre

Aufbau der Geschützöhre

Preußischer 12-Pfünder von 1754

Preußischer 12-Pfünder von 1754

Transversal-Maaßstaab

Transversal-Maaßstaab

Lection III: Plans aufnehmen