Ingenieurgeograph

Ingenieur_geographe_1812_logoxxx

 Montag, 5. Januar 2015

home
Geschichte
Living History
Aufnehmen
Kroquiren
Distanzen messen
Triangulieren
Meßtischaufnahme V
Pläne aufnehmen
Kataster aufnehmen
Nivellieren
Minieren
Ort bestimmen
Entwerfen
Abstecken
Navigieren
Zeichnen
Unterrichten
Spielen
Torgau 1813
Zeilitzheim 1811
Wartenburg 1813
Leipzig 1813
Mühlberg 1813
Wavre 1815
Belfort 1870
Publikationen
Links
Termine
Ausstellungen
Kontakt
Neu

Kriegsakademie 1911

Schloß Zeilitzheim

Kriegsspiel Belagerung von Belfort 1870/71

Aufgabe

Anläßlich der 2. Kriegsakademie fand das erste Kriegsspiel unter Leitung von Ingenieur- Hauptmann F. statt: Die taktische Aufgabe wurde der Belagerung von Belfort 1870/71 entlehnt und hatte ein Vorpostengefecht bei Danjoutin zum Gegenstand.

Einführung

Das Kriegsspiel hat eine lange Tradition, die 1812 in Preußen mit dem Reiswitzschen taktischen Manöverspiel begründet wurde. Dieses behandelte immer Feldschlachten, bis nach dem Krieg von 1870/71 auch die Festungskriegsspiele von Neumann, Ing.Major a.D., in Gebrauch kamen. Rasch folgten weitere Anleitungen, so daß Altrock 1908 eine sehr gute Zusammenfassung über die historische Entwicklung des Kriegsspiels geben konnte:

„Lange Friedensjahre haben das Bedürfnis nach gründlicher wissenschaftlicher Erfassung des Soldatenberufs stetig gesteigert; denn es gilt, die fehlende Kriegserfahrung durch geistige Schulung möglichst zu ersetzen. So hat auch das altbewährte Bildungsmittel des Offiziers, das Kriegsspiel, beständig an Bedeutung gewonnen, ist es doch besonders geeignet zur Vorbildung für die Truppenführung, da es gestattet, die hierfür erworbenen Kenntnisse am Gegner abzumessen.“ (Altrock, S. 1)

Poten erläutert den erzieherischen Wert des Kriegsspiels folgendermaßen:

„Für den jungen Offizier gilt es nun, das erworbene Wissen zu tüchtigem Können zu gestalten, den praktischen Dienst zu erlernen. Hand in Hand geht die theoretische Fortbildung durch schriftliche Bearbeitung von Winteraufgaben, durch das Hören und Halten mündlicher Vorträge und durch das Kriegsspiel. Das letztere darf man sich nicht wie ein Gesellschaftsspiel denken, bei welchem gewürfelt wird und wo es dann heißt: ‚genommene Batterie‘ gewinnt drei Marken, oder ‚Festung‘ läßt einmal übergehen, und der Spieler, welcher zuerst bei ‚Friede‘ ankommt, den ganzen Rest einstreicht. Es besteht vielmehr in der Durchführung militärischer Operationen, taktischen Ideen, Maßregeln des Festungskrieges etc. auf einem Plane. Zwei Parteien, unter einem Unparteiischen als Leitendem, stehen einander gegenüber; sie verfahren nach General- und Spezialidee, wie beim Manöver; Truppenzeichen veranschaulichen die beiderseitigen Stellungen und Maßregeln; nur wo in Wirklichkeit Zufall und Tapferkeit entscheiden würden, thun es die Würfel.“

Speziell der Zweck des Festungskriegsspiels ist

„Die Belehrung der Spieler über die Grundsätze des Festungskrieges, die bestehenden Reglements und Bestimmungen“

„Die Ermittlung des günstigsten Angriffsverfahrens und der geeigneten Vertheidigungsmaßnahmen für die Festung, welche Gegenstand des Kriegsspieles ist“ (Kunde, S. 1).

Die Idee ist also, eine taktische Situation durchzuspielen, nicht aber den Verlauf einer bestimmten historischen Schlacht oder Belagerung minutiös nachzuvollziehen.

Spielregeln

Das taktische Kriegsspiel wird geleitet vom Vertrauten (auch: Schiedsrichter, Unparteiischer, Leitender), der die General- und Spezialidee festlegt und der das letzte Urteil fällt. Ihm zur Seite gegeben sind ein Protokollant und evt. weitere Vertraute. Die beiden Parteien „Rot“ und „Blau“ bestimmen die Ausführung in Absprache mit dem Vertrauten.

Die ca. 2 Stündige Einführung wurde auf den Vormittag verlegt, das ca. dreistündige Spiel fand am Nachmittag statt.

Die Regelwerke von Neumann und Kunde wurden dem nachfolgenden Kriegsspiel zu Grunde gelegt. Dabei wurde nicht etwa die gesamte Belagerung von drei Monaten nachgespielt, sondern ein Gefecht um einen Vorposten für ca. 4 Stunden. Taktische Zeichen (Truppensteine) und Signaturen wurden gemäß Kunde, die pioniertechnischen gemäß Neumann nachgebildet. Ein allzu regelhaftes und starres Nachahmen der Reißwitzschen Regeln wollte der Vertraute meiden, um den Spiel einen flüssigeren Gang angesichts der weniger erfahrenen Teilnehmer zu geben. Verlusttabellen wurden also nicht geführt, und die Evolutionen der Infanterie beschränkten sich auf Bataillons- und Kompaniekolonnen (welche die Schützenlinie vorstellen sollten). Das Feuergefecht wurde durch Würfel entschieden. Damit entsprach das Spiel mehr den Neumann‘schen Regeln, und war nicht „freilaufend“ wie bei Altrock, wo sehr detaillierte Kenntnis über die Taktik und ein hohes Abstraktionsvermögen vorausgesetzt werden.

Terrain

Die Festung Belfort wird durch das Flüßchen „La Savoureuse“ in zwei Abschnitte unterteilt. Die östlich gelegenen Höhenzüge des auslaufenden Jura überhöhen den Talgrund zwischen 40 bis 100m. Auf einem steil abfallenden Höhenzug liegt das befestige Lager mit den beiden Außenforts, überragt vom Schloß, welches auch die Stadtumwallung dominiert.

Der kalkige, wasserarme Untergrund ist mit nur ca. 50 cm Erde bedeckt, so daß die Angriffsgräben schwierig zu führen sind. Auf dem östlichen Ufer laufen die Vogesen vom Mont Salbert in sanften Kuppen von 40m Höhe bis hin nach Montbéliard, welches von mehreren kleinen sumpfigen Bachtälern durchschnitten wird. Die Kuppen sind in der Regel bewaldet.

Zustand der Festung

Im Herbst 1870 existierten das Fort des Barres und Bahnhofsfort von 1868, die alte Stadtbefestigung von Vauban mit dem Schloß und das befestigte Lager mit den beiden Außenforts. Das Schloß wurde als Zentrum der Verteidigung gesehen; fiel dieses, so fiel die ganze Festung. Im Oktober wurden unter dem neuen Kommandanten, dem fähigen Ingenieur-Oberst Denfert, hastig die provisorischen Erdwerke auf den Perchen und Bellevue errichtet.

Historischer Hintergrund

Nach der Schlacht von Woerth  und der Einnahme von  Straßburg am 30. September stießen die preußischen Truppen langsam in die burgundische Pforte vor, um die strategisch wichtige Festung Belfort einzunehmen. Der Oktober ließ dem Kommandanten Denfert reichlich Zeit, sich auf die drohende Belagerung vorzubereiten.

Die Belagerung begann am 3. November mit einer Zernierung (Einschließung) durch das schwache XIV. Korps: Die Franzosen hielten alle Dörfer des Vorterrains in ca. 5 km Umkreis der Festung mit Vorposten besetzt, was die Angreifer zwang, einen weiten Zernierungsring um die Festung zu legen. Erst Anfang Dezember 1870 mit der Verstärkung des Belagerungscorps unter Gen. v. Werder wurden die Verteidiger aus dem äußeren Ring der Vorposten zurückgedrängt, um die förmliche Belagerung zu eröffnen.

Generalidee

Beginn der förmlichen Belagerung von Belfort: Nach der Errichtung der großen Batterie auf dem „Mont du Haut“ unterhalb des „Mont Salbert“ soll der eigentliche förmliche Angriff auf die beiden Forts „Haute Perche“ und „Basse Perche“ vorbereitet werden. Dazu ist es notwendig, daß der Angreifer sich in den Besitz von „Danjoutin“ setzt. Der nachfolgende Hauptangriff auf die beiden Perchen soll erst artilleristisch, dann in der letzten Phase ingenieurtechnisch vorgetragen werden. Eine zweite große Angriffsbatterie auf den Höhen der Perchen soll dann die kasemattierten Batterien auf dem Schloß, welches als Reduit der gesamten Festung erkannt wurde, zum Schweigen bringen, und somit die Übergabe erzwingen.

Ordre de Bataille und Aufstellung

Die „Ordre de Bataille“ wurde dem II. Beispiel von Kunde entnommen „Ausfallgefecht nach beendeter Einschließung, Belfort“, S. 57-78.

Der Angreifer „Blau“ erhält 10 Angriffsbatterien, 40 Bataillone für die gesamte Einschließung, wovon 8 Bataillone für den Angriff verwendet dürfen, der Rest auf die Vorposten und die Bedeckung der Batterie zu verteilen. Drei Feldbatterien werden gestellt. Beispiel:  die große Angriffsbatterie an der Kuppe des „Mont du Haut“ wurde mit 8 Batterien für 24 Pfünder und 2 Mortieren-Batterien in ca. 1500 m vom Fort Bellevue belegt

Der Verteidiger „Rot“ erhält eine Ausfallbatterie, 17 Bataillone für gesamte Festung mit den Außenforts und den Vorposten, von denen 2 Danjoutin besetzten. Ca. 2/3 der ca. 300 Geschütze (meist veraltet) wurde auf den Wällen verteilt, der Rest verbleibt als Reserve für die letzte Phase der Belagerung. Die meist verwendeten Nationalgarden (=Landwehr) waren zwar brauchbar, aber anfangs nicht sehr kriegserfahren.

Beispiel: Das Fort Bellevue erhielt eine Mortierenbatterie und eine Batterie 12 pfündiger Geschütze. (Kaliber noch in Pfund Eisen) und ein Bataillon Nationalgarde als Besatzung.

Es werden nur die sichtbaren & bekannten Vorposten aufgestellt, ebenso die Belagerungs-Batterien. Die Befestigungen wurden verdeckt nach den üblichen Regeln à la Vauban belegt. Die Angreifer erhielten verdeckte Aufmarschräume bei den Dörfern der Vorpostenlinie zugewiesen.

Die eigenen Stärken sind der jeweils anderen Partei nicht bekannt, wozu die Schachteln mit Tüchern abgedeckt wurden.

Spezialidee

Angreifer Blau: Das Dorf „Danjoutin“, welches talseitig den Hang des „le Bosmont“ flankiert, soll im Handstreich genommen werden, damit die erste Parallele mit den Angriffsbatterien auf der Kuppe  von „le Bosmont“  installiert werden kann. Dazu sollen drei Kolonnen vorgehen:

  • 3 Bataillone von „Méroux“ auf dem Fußpfad über die Kuppe von „le Bosmont“
  • 2 Bataillone im Wiesengrund der „Savoureuse“ von vom Dorf„Adelnans“ entlang des Hangs „le Bosmont“, welcher der Sicht von dem Fort „Basse Perche“, den Stadtbefestigungen und dem Schloß entzogen ist, allerdings nicht vom Fort „Bellevue“. Diesen Bataillonen wird eine Feldbatterie, und noch eine weitere Feldbatterie zur Reserve beigegeben.
  • 2 Bataillone von der „Ferme Froideterre“ über die bewaldete Kuppe des „Grand Bois“

Zur Diversion des Verteidigers soll die große Batterie alle erreichbaren Außenforts Bellevue, Barre, die beiden Perchen und das Schloß mit Störfeuer belegen und talseitige Ausfälle aus der Hauptfestung unterbinden. Vor allem Fort „Bellevue“ soll beschäftigt werden, weil dessen Batterien als einzige „Danjoutin“ und den Hang unterhalb von „Le Bosmont“ direkt einsehen können.

3 Bataillone sollen einen Scheinangriff auf die „Ferme sous le Mont“ vor dem „Fort des Barres“ führen, um die Kräfte des Verteidigers zu zersplittern.

Die Ingenieur- und Batteriematerialien Depots wurden an dem Hang zwischen „Bavilliers“ und „Essert“ gelegt, sind somit von der Festung nicht einzusehen.

Die Verteidiger Rot hielten dagegen einen Angriff aus dem Osten, also von „Chèvremont“ oder „Vézelois“, für wahrscheinlicher und disponieren die Ausfalltruppen mit der Ausfallbatterie an der „Porte de Bâle“ der Hauptfestung, um über den befestigten Posten „Pérouse“ den Angreifer zurückzuschlagen. 3 schwere Batterien werden an der linken Flanke des Bahnsforts maskiert in Stellung gebracht. 2 Eskadronen werden im Bahnhofsfort, eine im befestigen Lager bereit gehalten.

Als Zeitpunkt des Aufmarschs wurde der 15. Dez. 1870, 5 Uhr morgens festgelegt. Es herrschte klares Winterwetter.

Materialien

Eine nachgezeichnete Karte 1:5000 umfaßte die Umgebung der Festung in einem Abstand von 3 bis 5 km. Mit dem Pantographen wurden der „Situationsplan der Belagerungsarbeiten von Belfort 1870/71“ 1:10.000 auf die vorgeschriebenen 1:5000 vergrößert. Als Vorlage für die Terraindarstellung diente weiter die Reliefkarte (Schummerung) aus Plan 37 aus „Der deutsch-französische Krieg 1870/71“, herausgegeben vom Großen Generalstab im Maßstab 1:12.500.

Die Parteien erhielten kleinere Umgebungskarten im Maßstab 1:25.000. Die Spielsteine mit den taktischen Zeichen waren passend zu diesem Maßstab, d.h. geben die realen Ausmaße wieder. Zur Ausstattung gehörten weiter ein großer Kartentisch, Zeigestöcke, eine 2-Minuten-Sanduhr, Tücher zum Abdecken und Würfel.

Aufgabenverteilung

Major S. wurde vom Vertrauten zum Kommandierenden der Belagerer bestimmt, Oberleutnant H. zum Kommandanten der Festung. Beide wählten sich vier weitere Offiziere zu ihrer Seite und bestimmten deren Kommandos. Oberst Z. übernahm das Protokoll. Ingenieur-Hauptmann F., Endesunterzeichner, nahm die Rolle des Vertrauten wahr, achtete strikt neutral auf die Einhaltung der Regeln und führte die Würfel.

Verlauf des Spieles 15 Dec. 1870

Zusammengefaßt nach einem Protokoll des Herrn Obersten Z.

5Uhr morgens: klarer Tag, gute Sicht

Störfeuer der Angriffsbatterie auf alle Festungswerke. Antwort aus den Forts auf die Angriffsbatterie mit geringem Effekt

6:30 Angriffskolonnen aus Andelnans werden für die Verteidiger auf ca. 500m Entfernung sichtbar. Eine Feldbatterie der Angreifer fährt in Deckung des Hangs von Le Bosmont auf. Die Perchen Forts eröffnen das Feuer, jedoch mit schlechtem Effekt wegen der Dämmerung

7:00 Ein Bataillon der Verteidiger in Danjoutin wagt den Ausfall, wird aber zersprengt. Erste Angreifer dringen in Danjoutin ein. Die Positionsbatterie im Dorf kommt nicht Feuern.

Die 3 Bataillone der Angreiger haben den Wald bei „Mont du Haut“ durchquert und attackieren die „Ferme sous le Mont“.

7:30 Ein Zufallstreffer im Schloß durchschlägt die Dämmung in der Kehle und setzt Teile des Schlosses in Brand, so daß die große Schloßbatterie nicht gegen Danjoutin agieren kann. Pionieren gelingt es, den Brand nach einer Stund zu löschen. Die Stadt brennt an drei Stellen und bindet so mögliche Kräfte für den Ausfall. Ein weiterer Treffer setzt die Mortieren-Batterie auf dem Fort Basse Perche vorläufig außer Gefecht. Die Ausfallbatterie und drei Bataillone werden aus der Stadt in Marsch gesetzt und überschreiten den Sattel zwischen Haute Perche und Pérouse.

8:00 Die Batterien auf dem Fort de la Justice schießen die preußischen besetzen Dörfer Chêvremont und Vezelois in Brand, um einen vermuteten Angriff von dieser Seite zu behindern.

Franz. Kavallerie aus dem Fort des Barres gelingt der Einbruch in die linke Flanke der Batterie, wo sie einige Geschütze zerstören können; sie werden ausgeschaltet durch die aus Essert herbeigeeilte Feldartillerie und die Bedeckung.

Drei Bataillone aus dem Fort des Barres drängen die Angreifer in den Bois Mont du Haut zurück. Ihr Vordrängen wird erst durch die pr. Feldbatterie bei Essert aufgehalten.

Die Ausfallbatterie fährt auf der Mitte des Hangs zw. Danjoutin und Basse Perche auf. Die Bataillone gehen gegen den Einschnitt der Bahnlinie vor.

Die beiden Bataillone aus de Froideterre durchwaten die Savoureuse und nehmen die Verteidiger von Danjoutin in der linken Flanke. Die Batterien aus Bellevue nehmen die Bewegung nicht wahr.

8:30 Die Verteidiger werden aus Danjoutin herausgedrückt und müssen die Positionsbatterie aufgeben. Die beiden pr. Feldbatterien fahren auf freiem Felde auf, um die franz. Ausfallbatterie zu bekämpfen. Etliche Geschütze werden auf beiden Seiten demontiert. Die Batterien auf den Perchen Forts agieren mit gutem Effekt gegen die Feldbatterien und schießen Danjoutin in Brand, was die Besetzung einige Stunden aufhalten wird.

Die drei franz. Bataillone nehmen den Feuerkampf aus dem Einschnitt gegen die pr. Bataillone in Danjoutin auf.

9:00 Die 3 Bataillone aus Vezelois überqueren die Kuppe von Le Bosmont und beginnen sich für den Angriff auf Danjoutin in Schützenlinien zu entfalten.

9:15 Der Unparteiische beendet das Spiel.

Besprechung

Eine mündliche Besprechung direkt nach dem Spiel machte auf erste Stärken und Schwächen aufmerksam.

Das Kriegsspiel war für die Herren Teilnehmer außerordentlich belehrend, zumal wegen der gemachten Fehler. Der Vertraute, Ingenieur-Hauptmann F., Endesunterzeichner, bemerkt hierzu:

Große Batterie der Belagerer: Das gut gezielte Feuer auf Stadt, die Forts der  beiden Perchen und die Forts Bellevue sowie das Bahnhofsfort machten einen schönen Effekt und lenkte anfangs von der wahren Absicht der Angreifer ab. Die Verteidiger mußten lernen, daß die Kehlseite des Schlosses einer Verstärkung bedurfte, denn die ausgebrochenen Brände auf dem Schloß bewirkten, daß die Batterien in ihrer Wirkung auf Danjoutin behindert wurden, sogar zeitweilig ihr Feuer einstellen mußten.

Die große Angriffs-Batterie blieb bedauerlicherweise zusammen mit den Depots fast ohne Bedeckung, besonders auf der linken Flanke, was bei einem stärkeren Ausfall zum Verlust der gesamten Batterie hätte führen können. Da keine Magazine angelegt wurden, hätte die Batterie sich gegen Mittag verschossen. Es dürfte allerdings in der Kriegsgeschichte einmalig dastehen, daß es einer ausfallenden Kavallerie gelang, in die ungedeckte Flanke einer Belagerungsbatterie einzufallen und dort einige Geschütze zu demontieren. Der Wald von „Mont du Haut“ wurde beklagenswerterweise nicht besetzt!

Das verlassene Fort „Bellevue“ an der südlichen Flanke der Batterie hätte mit geringen Verlusten eingenommen werden und hätte die Belagerung um drei Wochen verkürzen können. Der Verteidiger seinerseits machte allerdings ebenfalls keinerlei Anstalten, das Fort mit einem Ausfall zu entsetzen, so daß diese schöne Chance vergeben wurde. Damit war aber immerhin der taktische Zweck erreicht, daß die Artillerie von Bellevue nicht das Vorfeld von Danjoutin bis Andelnans bestreichen konnte.

Der Verteidiger versäumte es, das Dorf „Essert“ hinter der großen Batterie in Brand zu schießen, um dadurch die Konturen der Batterien gegen den Horizont besser erkennen zu können. Sehr originell war die kuriose Idee der Ausfalltruppen, auf dem „Hauteur du Mont“ binnen 30 Minuten einen Schützengraben ohne Schanzzeug unter den Mündungen der Belagerungsbatterie ausheben zu wollen. Leider verkannte der Batterieführer die Gunst der Stunde, selbigen Tätigkeiten einfach mit einer Kartätschen-Salve der Belagerungsgeschütze ein Ende zu setzen.

Infanteristische Verteidigung von Danjoutin: Üblicherweise bezeichnet man diese Vorpostengefechte als den „Krieg der Leutnants“. Es bleibt unverständlich, warum die Verteidiger von Danjoutin ihre gedeckte Position im Dort aufgaben, um den Angriff auf einen offensichtlich überlegenen Feind auf freiem Felde zu begegnen. Hauptmann F. vermutet, daß der Kommandant sich entweder mit einer heldenhaften Bajonettattacke das Kreuz der Ehrenlegion verdienen oder vorzugsweise suizidieren wollte, leider beides vergeblich, wie dem Protokoll zu entnehmen.

Ein Zentrum des Widerstands (Allarmhaus) war in Danjoutin nicht installiert. Die Ortseingänge waren nicht besetzt – Auch wurden keine Vorposten ausgesetzt, die früher Alarm hätten geben können. Die Verteidiger am rechten Savoureuseufer ließen sich von den beiden Bataillonen aus „Froideterre“ völlig widerstandslos ausflankieren. Zum dortigem Schützengraben ist anzumerken, daß er ziemlich sinnfrei an das Ufer der Savoureuse gelegt wurde, gaben doch die Häuser ohnehin genug Deckung. Schützgräben werden besser an das Dorf als Anlehnungspunkt gelegt, um eine zusätzliche Deckung zu schaffen.

Artillerie in Danjoutin. Die immobile und (fast) ungedeckte Positionsbatterie im Dorf Danjoutin (!) war in einem außerordentlich ungünstigen Stellung nach Westen gegen Bavilliers ausgerichtet, wo ohnehin nicht mit dem Hauptangriff zu rechnen war. Das freie Schußfeld war weit unter 500 m, ziemlich bemerkenswert für ein weittragendes Geschütz (!). Hier ist zudem anzumerken, daß Batterien niemals in ein Dort geführt werden dürfen, weil dies das Schußfeld und die Beweglichkeit zu sehr einschränkt. Ein brennendes Dorf kann zudem die Rückzugslinien abschneiden. Der Versuch, die Positionsbatterie abzufahren, kam zu spät, denn sie wurde im Rücken von einem pr. Bataillon genommen. Die Artillerie der beiden Perchen wäre sowieso völlig ausreichend zur Deckung von Danjoutin gewesen.

Ausfallbatterie: Es war recht riskant und nicht unbedingt zielführend, zu einem späten Zeitpunkt auf freiem Felde abzuprotzen, und sich dem Feuer der beiden pr. Feldbatterien und des Gewehrfeuers von Danjoutin auszusetzen. Hätte dies ausgereicht, um den Kommandanten nicht nur seines Postens zu entheben, sondern auch vor ein Kriegsgericht zu bringen?

Der Entsatz (3 Bataillone Ausfalltruppen als Bedeckung der Ausfallbatterie) wurde zu spät in Marsch gesetzt, um die Lage noch wenden zu können. Die Truppen, die erst unnötig auf dem freien Felde dem Feuer ausgesetzt sahen, und sich erst spät im Einschnitt der Bahntrasse nach Mühlhausen festsetzen konnten, hätten sich sicher angesichts der heranrückenden pr. Reserven am Mittag / Nachmittag in den Schutz der Batterien beider Perchen zurückziehen müssen.

Die beiden pr. Feldbatterien bei Danjoutin wurden von den Batterien der beiden Perchen stark in Mitleidenschaft gezogen. Es gilt also die Regel, daß ungedeckt agierende Feldbatterien nur unter ganz außerordentlichen Umständen gegen überlegene Festungsartillerie geführt werden dürfen.

Nach dem Ausfall verblieben der Festung keinerlei Kavalleriereserven, die dazu noch mit zweifelhaften Erfolg eingesetzt wurden. Die Herren von der Kavallerie mögen sich den begrenzten Nutzen ihrer Waffengattung im Festungskrieg vor Augen halten.

Das nachhaltige Studium der bereits vor dem Spiel bereitgehaltenen Karten hätte den Herrn sicherlich die Disposition der Kräfte erleichtert.

Insgesamt bleibt festzuhalten, daß der Handstreich auf Danjoutin zu zögerlich geführt wurde, also der Effekt der Überraschung mit überlegenen Truppen gegen die schlecht ungeschickte Verteidigung nicht ausgenutzt wurde.

Ergebnis: Das Ziel des Angreifers wurde aber – wenn auch nicht ganz unerwartet mit hohen Verlusten – erreicht. Die Verteidiger dürften angesichts der Verluste nur noch eingeschränkte offensiven Optionen haben.

„Plus de poudre, moins de Sang“

Endesunterzeichner ist überzeugt, daß die gleichen Fehler nicht wiederholt werden.

Ingenieur-Hauptmann F., 1. Westphälisches Pionierbataillon No. 7

Quellen

Altrock, v.: Das Kriegsspiel – Eine Anleitung zu seiner Handhabung mit Beispielen und Lösungen, Mittler & Sohn, Berlin 1908

Castenholz, A.: Die Belagerung von Belfort im Jahre 1870/71, Band 1-3, Vossische Buchhandlung Berlin, 1875

D.V.E. Nr. 275: Feldpionierdienst aller Waffen (F. Pi.D.) – Entwurf vom 12. Dezember 1912, Mittler & Sohn, Berlin 1912

Kunde: Grundsätze für die Leitung des Festungskriegsspieles mit Beispielen nach der Kriegsgeschichte, Mittler & Sohn, Berlin 1899

Leitfaden für den Unterricht in der Befestigungslehre und im Festungskrieg an den königlichen Kriegsschulen, 8. Auflage, Berlin 1897

Leitfaden für den Unterricht in der Taktik an den königlichen Kriegsschulen, 13. Auflage, Mittler & Sohn, Berlin 1904

Neumann, Major a.D.: Directiven für das Festungskriegsspiel, Mittler & Sohn, Berlin 1872 (Kann vom Verfasser bezogen werden)

Poten, Bernhard: Unser Volk in Waffen – Das deutsche Heer in Wort und Bild, Verlag W. Spemann, Stuttgart, 1887

Karten

Situationsplan der Belagerungsarbeiten von Belfort 1870/71, Maßstab 1:10.000, vermutl. GG, ca. 1880

 Plan 37 aus „Der deutsch-französische Krieg 1870/71“, herausgegeben vom GG, Maßstab 1:12.500, ca. 1880

(c) Text Martin Klöffler, (c) Photos Martin Klöffler und J. Heinen

Absolventen

Oberst Z.

Oberst Z.

Besprechung

Besprechung

Rittmeister

Rittmeister

Lektüre am Fenster

Lektüre am Fenster

Generalarzt

Generalarzt

Ingenieur Hauptmann F.

Ingenieur Hauptmann F.

Ausstattung des Kriegsspiels

Kriegsspiel 1875

Kriegsspiel 1875

Taktische Zeichen

Taktische Zeichen

Signaturen

Signaturen

Einsatzfächer

Einsatzfächer

Kasten

Kasten

Übersichtsplan 1:50.000

Übersichtsplan 1:50.000

Spielplan

Spielplan

Plan der Hauptfestung

Plan der Hauptfestung

Aufnahmen von der Belagerung aus der Sammlung Braun

Kehlseite des Schlosses

Kehlseite des Schlosses

Franzöische Annexbatterie

Franzöische Annexbatterie

Blick auf die Stadt

Blick auf die Stadt

blick vom Schloß

blick vom Schloß

Feldseite des Schlosses

Feldseite des Schlosses

Parlamentaire

Parlamentaire

Spielverlauf

Einweisung

Einweisung

Partei Blau

Partei Blau

Große Angriffsbatterie

Große Angriffsbatterie

Detail der großen Angriffsbatterie

Detail der großen Angriffsbatterie

Aufgedeckte Maskierung

Aufgedeckte Maskierung

Spielende

Spielende

Worte

Worte

Acessoires und Stilleben

Tafel

Tafel

Helm, Steinöllampe und Spielkasten

Helm, Steinöllampe und Spielkasten

Rollsekretär

Rollsekretär

Schreibtisch

Schreibtisch

Nach dem Unterricht

Nach dem Unterricht

Geschütze

Geschütze

Helmablage

Helmablage